Warum ein Green Office?

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Zusammenfassung

Nachhaltige Entwicklung ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Bildung spielt eine wichtige Rolle, um diese zu meistern. Vor allem der Hochschulsektor kann einen bedeutenden Beitrag leisten, indem zukünftige Entscheidungsträger*innen ein Verständnis von Nachhaltigkeit entwickeln und in dem Hochschulen als Reallabore innovative Ideen testen und anwenden.

Um die Vision einer nachhaltigen Hochschule zu erreichen, sollten alle Statusgruppen der Hochschule in einen dynamischen Nachhaltigkeitsprozess eingebunden werden. Allerdings ist die Zusammenarbeit und Kommunikation über Abteilungs- und Fakultätsgrenzen hinweg nicht einfach. Es ist oft nicht deutlich wer bereits zu Nachhaltigkeit aktiv ist, und an wen sich Interessenten wenden können.

Der Aufbau einer zentralen Anlauf-, Koordinierungs- und Kommunikationseinheit kann helfen, um Brücken zwischen bestehenden Akteuren*innen zu schlagen. Dadurch entstehen Synergieeffekte, um mehr und bessere Projekte umzusetzen, sowie alle Statusgruppen inklusiv am Prozess zu beteiligen.

Inhalt dieser Seite

 
 

Nachhaltige Entwicklung

Die größte Herausforderung unserer Zeit ist es eine nachhaltigere und gerechtere Welt zu gestalten

80% der Menschheit muss nach wie vor mit weniger als 10$ US am Tag auskommen. Ökonomische Entwicklung, zusammen mit einer gerechteren Verteilung von Ressourcen, ist für sie ein Weg aus der Armut. Aber während sich die Gesellschaft und die Wirtschaftssysteme entwickeln, werden natürliche Ressourcengrundlagen – wie Flüsse, Luftqualität und Wälder – oftmals zerstört und die Vorteile der Entwicklung werden nicht gerecht geteilt.

Nachhaltige Entwicklung ist als ein neues Paradigma für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft entstanden. Nachhaltige Entwicklung versucht die Frage zu beantworten, wie wir Milliarden Menschen Wohlergehen und angemessene Lebensstandards garantieren können, ohne gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen, von denen alles Leben langfristig abhängt, zu zerstören.

Warum ein Green Office?
Warum ein Green Office?

Bildung

Ein oft übersehener Hebelpunkt, um Veränderung zu bewirken

Wenn du an nachhaltige Entwicklung in reichen Gesellschaften denkst, kommt dir vielleicht zuerst in den Sinn, dass wir unsere Energie-, Landwirtschaft- oder Transportsektoren verändern sollten.

Der Bildungssektor wird oft nicht als Hebelpunkt genannt. Doch warum ist dieser Sektor wichtig? Um nachhaltige Entwicklung zu realisieren, ist es nötig, dass eine kritische Masse an Leuten nachhaltige Herausforderungen verstehen, kreative Lösungen finden, und diese in Ihren Gemeinden, Städten und Organisationen umsetzen. Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Breite zu tragen ist essenziell, wenn wir das erreichen wollen.

20% aller EU Bürger*innen (106 Mio. Menschen) besuchen eine Bildungsinstitution – vom Kindergarten, über Schule und Berufsschule bis hin zur Universität. Das sind viele! Ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Werte werden durch Unterricht, Freundschaften, Lehrer*innen und durch die institutionellen Umgebungen geprägt.

Inwieweit ermöglichen diese Einrichtungen, durch das Curriculum und Extra-curriculare Aktivitäten, das Schüler*Innen und Studierenden sich als Akteure*Innen des Wandels erproben? Inwieweit ist das Mensa-, Energie-, Transport- oder Müllmanagement dieser Institutionen nachhaltig, um somit eine Lernumgebung zu schaffen, in der nachhaltiges Handeln die Norm ist?

Dies sind wichtige Fragen, die es im Bildungssektor zu stellen gilt.

  • Warum ein Green Office?
    Ein wichtiger Beitrag ist es Bildung für nachhaltige Entwicklung im Lehrplan zu integrieren. (Foto: UvA Green Office)
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    In den täglichen Betriebsabläufen nachhaltig zu agieren schafft eine institutionelle Umgebung die verantwortungsvolles Handeln ermöglicht. (Foto: Student Green Office ULB)
  • Schüler*innen und Studierende sollten zu der Nachhaltigkeitstransformation der Bildungseinrichtung beitragen können. (Foto: rootAbility)
“Die Vernichtung des Planeten ist nicht die Arbeit von ignoranten Menschen. Bildung kann Menschen dabei helfen zu effektiveren Vandalen der Erde zu werden.”
David Orr (Professor, Akademiker, Aktivist)

Hochschulen

Deine Hochschule kann auf einzigartige Art und Weise zu Nachhaltigkeit beitragen

Durch die Ausbildung zukünftiger Entscheidungs-träger*innen und die Nutzung von Gebäuden und dem Campusgelände als Reallabor, kann deine Hochschule zwei einzigartige Beiträge zu nachhaltiger Entwicklung leisten, die andere Organisationen nicht so einfach meistern können.

Erstens bietet deine Hochschule mit den Bachelor-, Master- und Doktortiteln die höchsten Abschlüsse im Bildungssektor an. Diese Abschlüsse sind oftmals die Zugangstickets für gutbezahlte und einflussreiche Positionen in Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Die Frage ist daher, inwieweit deine Hochschule diese zukünftigen Entscheidungsträger*innen vorbereitet, die Welt in eine nachhaltigere und vielversprechendere Zukunft zu führen?

Zweitens ist deine Hochschule ein Ort von Lehre und Forschung. Dies bietet die einzigartige Möglichkeit am Campus und in Gebäuden mit innovativen Ideen und Lösungen für Nachhaltigkeitsherausforderungen zu experimentieren.

Ein Beispiel: Das Liegenschaftsamt installiert verschiedene Solarzellen auf Dächern. Forscher*innen experimentieren welche Solarzellen am meisten Strom produzieren. Die gewonnenen Erkenntnisse werden mit Studierenden und Bewohner*innen durch Besuche und Vorlesungen geteilt. Dadurch wird eine Hochschule zu einem Ort, an dem Nachhaltigkeit gelehrt, erforscht und gelebt wird.

Hochschulen können Reallabore werden an denen Nachhaltigkeit implementiert, erforscht und gelehrt wird. Hier sind Studierende und Mittarbeiter*innen dabei einen Campusgarten an der Universität Gent zu planen. (Foto: Green Office Gent)
Hochschulen können Reallabore werden an denen Nachhaltigkeit implementiert, erforscht und gelehrt wird. Hier sind Studierende und Mittarbeiter*innen dabei einen Campusgarten an der Universität Gent zu planen. (Foto: Green Office Gent)

Engagement

Alle sollten dazu eingeladen werden, sich am Nachhaltigkeitsprozess zu beteiligen

Die demokratische Kultur von Hochschulen erschwert es, Nachhaltigkeit von oben herab umzusetzen. Die Unterstützung des Präsidiums ist sicher wichtig, doch der Aufbau eines starken Netzwerks von Studierenden, Wissenschaftler*innen und Verwaltungsmitarbeiter*innen ist essentiell, um Nachhaltigkeit in Lehre, Forschung und Betrieb umzusetzen.

Es ist wichtig, dass Nachhaltigkeit integrativ ist und dass ich alle beteiligen können. (Foto: Nachhaltigkeitstag an der TU Delft)
Es ist wichtig, dass Nachhaltigkeit integrativ ist und dass ich alle beteiligen können. (Foto: Nachhaltigkeitstag an der TU Delft)

Doch wie können die verschiedenen Statusgruppen zu einer nachhaltigen Hochschule beitragen? Hier ein paar Ideen:

Lehrende unterstützen Studierende dabei, gesellschaft-liche Fragen durch praxisbezogene Projekte zu erkunden und von einer ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Perspektive zu betrachten.

Wissenschaftler*innen arbeiten mit lokalen NGOs, Unternehmen und dem Stadtrat zusammen, um Forschungsprojekte zu realisieren, die Nachhaltigkeits-herausforderungen in der Region studieren und Lösungen entwickeln. Studierende werden in diese Projekte mit eingebunden.

Verwaltungsmitarbeiter*innen bemühen sich um Solarzellen, Recycling oder biologisches Catering. Sie stellen Wissenschaftlern Energiedaten zur Verfügung. und mit Lehrern zusammen, um Nachhaltigkeitsprojekte auf dem Campus als praktische Lernerfahrung für Studierende im Unterricht zu nutzen.

Studierende tragen mit ihren Ideen, ihrer Kreativität und Energie als Teil von Studierendengruppen, Kursprojekten, oder Praktika zur Nachhaltigkeitstransformation der Hochschule und Region bei.

Die Hochschulverwaltung legitimiert, finanziert und unterstützt den Nachhaltigkeitsprozess, entwickelt Leitlinien und verankert Nachhaltigkeit in die Hochschulstruktur.

Das ist eine Vision, wie eine nachhaltige Hochschule mithilfe der Teilnahme aller Interessensgruppen gestaltet werden könnte. Leider ist das nur in sehr wenigen Institutionen die Realität. Warum?

“Neue Governancemodelle und Entscheidungsprozesse müssen geschaffen werden, um effektives, ressortübergreifendes und interdisziplinäres Engagement für Nachhaltigkeit auf dem Campus zu ermöglichen.”
Leith Sharp (Nachhaltigkeitsexpertin)

Herausforderungen

Mangelnde Kommunikation, Zusammenarbeit und Koordination erschweren Nachhaltigkeitsprozesse

Frage an dich: Wie viele Studierende, Mitarbeiter*innen und Akademiker*innen wissen bereits, wer sich an deiner Hochschule zum Thema Nachhaltigkeit engagiert und wen sie kontaktieren können, wenn Sie sich einbringen wollen?

Wie die Graphik unten zeigt, kann es sein, dass Studierende, Präsidium, Lehrende und Forschende bereits aktiv sind, sich gegenseitig aber kaum kennen.

Der dezentralisierte Aufbau von Hochschulen und die verschiedenen Lebenswelten der Statusgruppen macht Kommunikation, Zusammenarbeit und Koordination oft schwierig. Synergieeffekte bleiben ungenutzt und Leute machen doppelte Arbeit. Das Resultat: Ein Nachhaltigkeitsprozess auf Sparflamme.

Was kannst du dagegen tun?

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Plattformansatz

Ansprechpunkt, Ideengeberin, Kommunikations-einheit, Koordinations-und Verbindungsstelle

Wie die Grafik unten sichtbar macht informiert, verbindet und unterstützt die Plattform Akademiker*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen sich zum Thema Nachhaltigkeit zu engagieren.

Die Plattform ist Ansprechpunkt für Fragen, Ideengeberin für neue Impulse, Kommunikationseinheit, um bestehende Initiativen sichtbar zu machen, sowie Koordinations- und Verbindungsstelle für alle Nachhaltigkeitsinteressierte und externe Akteure*innen.

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Es gibt mehrere Möglichkeiten, so eine Plattform zu organisieren. Vielleicht habt ihr eine Arbeitsgruppe, ein offenes Forum, eine Hochschulgruppe, eine Nachhaltigkeitsbeauftragte oder ein Nachhaltigkeits-ausschuss. Jedes dieser Ansätze hat bestimmte Stärken und Schwächen. In diesem Leitfaden lernst du über eine bestimmte Lösung: Das Green Office Modell.

Das Green Office Modell ist ein gutes Beispiel von einer Nachhaltigkeitsplattform. (Foto: Green Office Gent)
Das Green Office Modell ist ein gutes Beispiel von einer Nachhaltigkeitsplattform. (Foto: Green Office Gent)

Abhängig von euren Bedürfnissen könnt ihr das Green Office Modell auf verschiedene Art und Weise umsetzen. Wenn eure Nachhaltigkeitsreise gerade erst beginnt, könnt ihr euer Green Office als die engagierte Nachhaltigkeitsplattform für die ganze Hochschule aufbauen.

Wenn ihr bereits ein Nachhaltigkeitsteam, ein Komitee oder eine Arbeitsgruppe vor Ort habt, aber die Studierendenbeteiligung verbessern wollt, könnt ihr das Green Office Modell dazu verwenden, ein von Studierenden geführtes Büro zu entwickeln, das Studierende bezüglich nachhaltigem Handeln informiert, verbindet, und unterstützt. So ein Studierenden-geführtes Büro kann neben von Mitarbeiter*innen geführten Nachhaltigkeitsinitiativen arbeiten.